Film: Lighter than Orange

Schicksale und Folgeschäden des Vietnamkrieges

 

„ Wir konnten noch nicht wirklich verstehen, wie sich das Gift auf die Menschen, das Leben und die Zukunft auswirkte.“ Hung, Phú Thọ

 

Rosemarie Höhn – Mizo,  1. Vorsitzende des deutschen Verein des Dorf der Freundschaft (www.dorfderfreundschaft.de) in Vietnam steht im Anschluss an den Film zum Gespräch zur Verfügung.

Rainer Hub, der 2. Vorsitzende begrüßt und gibt eine kurze Einführung in den Film.

Filmplakat

Im Vietnamkrieg kämpften zwischen Mitte der 1950er Jahre und 1975 Nord- gegen Südvietnam, unterstützt von den Supermächten USA, China und der Sowjetunion. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, der unter anderem in Drittländer wie Vietnam verlagert wird.
US-Präsident Kennedy ordnet den Einsatz von zuvor in den USA erforschten Herbiziden zur Unterstützung der Kriegsführung persönlich an. Die Schussfelder sollen frei von sichtverhinderndem Laub sein, Ernten sollen vernichtet werden. Die dioxinhaltigen Entlaubungsmittel tragen Kodenamen wie Agent Orange, Agent Blue und Agent Purple.

 

In den Jahren 1961-71 werden Millionen Liter von Flugzeugen, Hubschraubern und tragbaren Pumpen auf Wälder, Dschungel und Ackerflächen in Vietnam und benachbarten Ländern versprüht. In Flüssen, Sedimenten und landwirtschaftlichen Böden lagern die Gifte bis heute und breiten sich über das Grundwasser und Baumaßnahmen weiter aus.
Das im Agent Orange enthaltene Dioxin führt millionenfach zu schwerwiegenden  Änderungen des Erbgutes. Bis heute kommen viele Kinder infolgedessen tot zur Welt, andere überleben die ersten Jahre nicht oder sind von Geburt an schwer krank. Die Katastrophe betrifft nicht nur die einstigen Kämpfer und KämpferInnen, sondern vor allem auch die nachfolgenden Generationen.
Es gibt auch einen tragischen Bezug zu Deutschland: Als 1967 der jährlich Bedarf der US-Armee nicht mehr aus eigenen Ressourcen gedeckt werden kann, produziert Böhringers Herbizidwerk bei Hamburg 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge, welches zur Herstellung von Agent Orange dient.

 

40 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges (*30/4/1975) und 10 Jahre nach einem sehr fragwürdigen Urteil eines New Yorker Gerichts, in dem Richter Jack B. Weinstein die Klagebegehren Vietnamesischer Agent Orange-Opfer nach Entschädigung ablehnte (10/3/2005), konnte die internationale Bewegung für Gerechtigkeit wieder einen kleinen Sieg in New York verbuchen (3/2015).

Der Dokumentarfilm Lighter than Orange, Teil der official selection beim Socially Relevant Film Festival New York, gewann einen Wettbewerb mit einem klaren Vorsprung. Es ist vielleicht das erste Mal, dass ein Film über die Nachwirkungen von Dioxin in Vietnam einen Preis bei einem Wettbewerb in den USA gewonnen hat. Filmemacher Prof. Matthias Leupold kommentierte: „Das ist nur ein Teilerfolg. Wir sind entschlossen, weiter an dem Thema zu arbeiten.“

 

Vita des Filmemachers: Matthias Leupold, geboren 1959, begann seine künstlerische Laufbahn als Fotograf. Er schuf sich seit Beginn der achtziger Jahre in Ostberlin seine Parallelwelt in szenischen Fotografien, die er in über 50 Ausstellungen in Europa, Asien und USA zeigte und in mehreren Büchern publizierte. Internationale Sammlungen archivieren seine Arbeiten. Als Professor lehrt Leupold an einer Kunsthochschule in Berlin. Durch eine Studienreise mit jungen Fotografen 2011 durch Vietnam kam Leupold mit dem erstmalig mit Opfern von Agent Orange persönlich in Kontakt und entwickelte daraus den Stoff für diesen Dokumentarfilm.

 

Laufzeit: 72 min; vietnamesisch, englisch, Untertitel: deutsch

 

Veranstalter:

Dorf der Freundschaft in Vietnam e. V.

Do, 4. Juni 2015

21:30 Uhr

Gemeinderaum 1

Evangelische Friedensgemeinde

Schubartstr. 12 in Stuttgart