IGF Stuttgart – Interreligiöse Gemeinschaft für Frieden

 

IGFUnsere interreligiöse Gemeinschaft (www.igfstuttgart.de) besteht seit 1983 und seit 2006 als IGF Stuttgart. An unseren Treffen, bis 2007 monatlich, beteiligten sich Vertreter aus sechs Religionen: Hindu, Buddhisten, Juden, Christen, Muslime und Baha’i. Mehrfach haben sich auch Koptisch-Orthodoxe und Syrisch-Orthodoxe Kirche und kleinere religiöse Richtungen engagiert, z.B. Quäker, Altkatholiken, Fokolare und Christengemeinschaft, auch Sufismus, Ahmadiyya, Aleviten und Sikh-Religion.

Zentraler Ausgangspunkt für uns ist eine Begegnung mit respektvollem Einfühlungsvermögen und Offenheit, Entdeckung von Gemeinsamkeiten und Akzeptanz von Unterschieden. Wir wollen den Glauben der Anderen nicht nur respektieren, sondern den Anderen sogar in seinem Glauben bestärken und uns füreinander einsetzen. Gegenseitige Bekehrungsversuche (Proselytismus) und eine Verschmelzung von Religionen (Synkretismus) sind undiskutabel. Die Vorstellung, daß eine Einheitsreligion angestrebt wird, entbehrt jeder Grundlage.

Unsere Vision ist ein größeres Aufeinanderzugehen und eine Zusammenarbeit der Weltreligionen an der Basis unseres alltäglichen Lebens wie auch auf religionsleitenden Ebenen. Konkret bedeutet dies vor allen Dingen einen Abbau von Absolutheitsansprüchen, Machtverzicht und eine Überwindung von fragwürdigen theologisch-dogmatischen Gottesbildfestlegungen. Zentral steht der Glaube an den Einen Gott, auch wenn Christen den Zugang zu Gott „trinitarisch“ sehen.

Inhaltlich haben wir uns mit vielen relevanten religiösen und gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit befaßt, meist als Jahresthema. Dabei handelte es sich z.B. um Grundlageninformationen Religionseinführungen, Frau und Mann, Weltethos, Erneuerungsbewegungen, Geschwisterlichkeit, zentrale Gebete, apologetische Dogmengewalt, Mystik, „Mission“), später mehr um zentrale Weltprobleme unserer Zeit: Schöpfungsbewahrung und Wachstumswahn. Verschiedentlich waren Höhepunkte größere öffentliche Abende, z.B. mit Heinz Zahrnt oder mit Dorothee Sölle.

Nachhaltig bewegend erwiesen sich spirituelle Erfahrungen im Rahmen von bislang 16, seit 1989 gemeinsam durchgeführte Gebetsstunden der Religionen für den Frieden, zuletzt auf der Ökumenischen Versammlung 2014 in Mainz als „Religionsverbindendes Friedensgebet“. Bemerkenswerterweise wurde uns vom Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) im Kirchentagsjahr 1999 in Stuttgart so eine „kommunikative Großveranstaltung“ ermöglicht. An ihr dürften 1.000 Besucher teilgenommen haben.

Seit einer Begegnung 1996 mit Heinz Zahrnt (Präsident des DEKT 1973) in Stuttgart hat sich unsere interreligiöse Gemeinschaft für die Vision einer Ökumene der Weltreligionen als Daueraufgabe eingesetzt. Dabei werden wir motiviert von bedeutenden Zeitzeugen, z.B. durch eine „Weltökumene des Einen Gottes“ (Albert H. Friedlander/Leo Baeck, 2002/1956) und durch Richard von Weizsäcker, Altbundespräsident und früherer Kirchentagspräsident. Er hat 2006 eine besondere Dringlichkeit formuliert: „Im Vordergrund steht nach meiner Überzeugung, uns mit ganzer Kraft der Ökumene der Religionen zuzuwenden.“

Unter dem Ökumeneaspekt haben wir intensiv die bedeutsame „Alexandria-Erklärung“ von 2002 unterstützt. In ihr haben sich führende jüdische, christliche und muslimische Vertreter aus Nahost für Frieden und gegen Gewalt und Hass auf allen Seiten gemeinsam „im Namen des allmächtigen, gnädigen und mitfühlenden Gottes“ ausgesprochen.

Als Zeichen einer konkreten interreligiösen Weltverantwortung und eines gesellschaftspolitischen Engagement vor Ort ist IGF Stuttgart seit 2005 Mitglied bei dem Stuttgarter Netzwerk Stuttgarter Partnerschaft „Eine Welt“. So haben wir uns beteiligt, 2006 an einer Millenniums-Aktionswoche: Stuttgart gegen globale Armut, 2007 an einer Veranstaltung Stuttgarter Wissenschaften – Lösungen für die „Eine Welt“ in der Universität Hohenheim und 2009 an der Baden-Württembergischen Aktion „Meine Welt. Deine Welt. Eine Welt.“ .

2009/2010 stand unsere intensive Unterstützung des historischen „Briefes von 138 muslimischen Theologen“ an die Christenheit der Welt im Vordergrund. In ihm haben sich führende Muslime aus aller Welt u.a. für einen „höflichen ökumenischen Dialog“ der Basis ausgesprochen. Insbesondere heben sie weltweit ihre politische Verantwortung für Abrüstung hervor, denn „Angesichts der schrecklichen Waffenarsenale … steht unsere gemeinsame Zukunft auf dem Spiel.“
Ulrich Börngen, Stuttgart, März 2015, ulboe.stgt@web.de, www.igfstuttgart.de
Zum 4. Juni 2015, 18.00 – 20.00 Uhr, laden wir vom Zentrum Frieden aus, zentrumfrieden2015.de, herzlich ein zu einem Religionsverbindenden Friedensgebet in Zusammenarbeit mit der Yeni Camii – Moschee im Rahmen des „Festes der Begegnung“, im Festzelt bei der Moschee: Mauserstraße 19-21, Stuttgart-Feuerbach.