„Was heißt Befreiung – heute und perspektivisch?“

Ein Bericht zu der Veranstaltung Was heißt Befreiung – heute und perspektivisch? im Zentrum Frieden

Anlässlich des DEKT 2015 in Stuttgart trafen sich am 06.06.2015 im temporären
„Zentrum Frieden“ ReferentInnen, die schon an der Ökumenischen Versammlung
2014 in Mainz mitgewirkt hatten, sowie am Thema Interessierte zur Diskussion
über eine notwendige „Große Transformation“. Wie der Veranstaltungstitel
ankündigte, sollte es namentlich um Befreiung gehen, die auf dem Weg einer
solchen Transformation zu erreichen ist. Unter der Moderation von Peter
Schönhöffer brachten Ulrich Duchrow, Beat Dietschy, Klaus Schilder, Meehyun
Chung, Harald Bender und Christoph Albrecht ihre Impulse ein, die im Folgenden
skizziert werden.
Ulrich Duchrow, Theologe und Mitbegründer von Kairos Europa, gab zu Beginn
seine Einschätzung zum Stand des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit,
Frieden und Schöpfungsbewahrung (GFS). Dieser hat auf der Vollversammlung
des ÖRK in Busan / Korea im Herbst 2013 einen neuen Anstoß bekommen. Auf
Busan folgte die deutschsprachige Ökumenische Versammlung in Mainz Anfang
Mai 2014 – mit der aus ihr hervorgegangenen „Mainzer Botschaft“ -, die somit als
eine der ersten Stationen des in Busan ausgerufenen siebenjährigen Pilgerwegs
für Gerechtigkeit und Frieden zu sehen ist.
Duchrow stellte heraus, dass die Dokumente von Busan 2013 zusammen mit dem
zeitgleich erschienenen Rundschreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus
eine reife Frucht der ökumenischen Entwicklung sind, hinter die zurückzugehen
schwerfallen wird.
Kernaussage beider Positionen ist: „Diese Wirtschaft / Zivilisation tötet!“ Zu einer
solchen Wirtschaftsweise sagen die Kirchen jetzt umfassend nein. Ulrich Duchrow
wies vor allem auf den skandalösen Zustand der Geldwirtschaft hin, die
weitgehend von einer „heiligen Loyalität“ gegenüber dem Geld geprägt ist. Zur
Ablösung dieser Art von Wirtschaft gibt es kurz- und mittelfristige Strategien:
– die kurzfristige Perspektive umfasst den zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen
Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung, z. B. den Kampf gegen TTIP
– die mittelfristige Perspektive besteht darin, die Paradigmen Geld, Privateigentum
und Arbeit strukturell, emotional und kulturell in Richtung eines Wirtschaftens für
das Leben zu verändern.
In diesem Zusammenhang machte Ulrich Duchrow die wichtige Anmerkung, dass
sich die Friedensbewegung leider von den beiden anderen GFS-Themen
Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung abgekoppelt habe. Dies zeigt sich
daran, dass sie sich weigert, den Kapitalismus konsequent als Ursache des Übels
zentral zu thematisieren. Geld ist das Kind des Kriegs. Extraktivismus – maßloser
Raubbau an den Rohstoffen der Erde – und Imperialismus gingen und gehen in
aller Regel seit je her Hand in Hand.
Beat Dietschy, Zentralsekretär von „Brot für alle“ Schweiz, versuchte auszuloten,
was die Voraussetzungen für eine Transformation sind. Er erinnerte an die in
Busan allgemein zum Ausdruck gekommene Wertschätzung für Formen des
gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Ubuntu, Sangsaeng und Buen Vivir als
Ausdruck verwandelter Spiritualität. Sie sind Zeugnisse der Gnade, die die
Menschen befähigt, einzusehen, wann sie genug haben. Was daher notwendig ist,
ist eine Relativierung der europäischen Theologie, wobei „Verlernen sicher
schwerer ist als Lernen“.
Des weiteren ist die Option für die Armen wichtig, die Dietschy klar als
Verweigerung gegenüber den herrschenden Systemen interpretierte. Diese
Einsicht fehlt dem politischen Mainstream. Beat Dietschy erläuterte das anhand
des Mottos der jüngsten Schweizer ökumenischen Kampagne: „Weniger für uns –
genug für alle“. Dieser Vorschlag wurde von der Neuen Zürcher Zeitung allen
Ernstes postwendend mit dem Slogan beantwortet: „Mehr ist besser als wenig“…
Mittlerweile sind die planetaren Grenzen der Belastbarkeit überschritten, „die Erde
hat Fieber“. Gerade deshalb besteht die große Herausforderung in einer sozialen
Grundversorgung innerhalb besagter Grenzen. Die notwendige Transformation
muss dabei multipolar, pluralistisch und holistisch sein, „weg vom EGO zum ECO“
führen.
Beat Dietschy bekräftigte seine Sicht abschließend mit einem Zitat von Vandana
Shiva: „Nur so viel zu nehmen, wie man zum Leben braucht, ist die beste Form der
Solidarität.“
Klaus Schilder, Referent für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor, berichtete vom
Klärungsprozess des Begriffs „Gemeinwohl“, den Misereor zur Zeit in 5 Ländern
des globalen Südens vornimmt, jeweils im Vergleich zur Bedeutung von
Gemeinwohl in Deutschland.
Ausschlaggebend sind die Einbettung des Menschen in den Naturraum, die
Rückführung der Wirtschaft auf ihre dienende Funktion und die Möglichkeit zur
Partizipation durch demokratische Rechte. Verwirklicht wird das Gemeinwohl in
Gemeinschaften und Zweckbündnissen, Grenzen verlaufen gegenüber der
Marktfreiheit und mit Rücksicht auf die Notwendigkeit wirtschaftlichen
Schrumpfens.
Klaus Schilder sah sich abschließend von den Ergebnissen der Enquete-
Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Bundestags von 2013
unterstützt, die den Stopp umweltfeindlicher Investitionen und die Ergänzung der
Effizienzoptimierung durch einen Verteilungsschlüssel empfiehlt.
Meehyun Chung, Professorin an der Yonsei-Universität in Seoul, bezeichnete
vorweg die in Deutschland mittlerweile glücklich geschlossene Wunde der
politischen Teilung eines Landes, die in Korea weiterhin offenliegt, als ein
Hoffnungszeichen.
Transformation bedarf für Meehyun Chung einer Grundlage, die sich in
entwickelter Diversität, Vernetzung und Oralität äußert. Sie verwies dafür auf das
Pfingstwunder als eines der ältesten Beispiele für diesen Ansatz. Pfingsten ist ein
Sprachereignis!
Aktuell wusste sie von einer Zunahme kapitalistischer Abhängigkeitsverhältnisse
an koreanischen Universitäten zu berichten, denen sich allerdings auch ein
wachsender Studierendenprotest entgegenstellt. Durch seine Manifestation in
konkreten Schritten ist er ein Hoffnung machendes Solidaritäts- und
Empathiephänomen!
Harald Bender von der Akademie Solidarische Ökonomie machte sich an die
Klärung des Begriffs „Transformation“. Ganz wichtig: Sie ist nicht planbar, sondern
darauf angelegt, ein Teil der Entwicklung zu werden. Transformation ist ein
fortwährender Prozess der Befreiung von den negativ wirkenden Kräften. In der
Methodik knüpft sie an diesen Prozess an.
Transformation kann in der, von Ulrich Duchrow angesprochenen mittelfristigen
Perspektive ansetzen
– an einem veränderten Eigentumskonzept und dessen Verankerung in den
Verfassungen als „Hebel“
– indem Geld nicht mehr privat geschöpft wird
– indem der Arbeit der Warencharakter genommen wird.
Es ist zu beobachten, dass die Bewusstseinsbildung für eine bedarfsgesteuerte
Solidarische Marktwirtschaft weit fortgeschritten ist.
Studentenseelsorger Christoph Albrecht aus Basel nahm das zu Beginn seines
Beitrags vom Turm der Friedenskirche einsetzende abendliche Glockengeläut
zum ungezwungenen Anlass für die Mahnung „Wir wissen alle, was es geschellt
hat!“
Er vermisst weitgehend die Beteiligung der Jugend an der ökumenischen
Diskussion der Großen Transformation. Umso begrüßenswerter ist, anknüpfend an
Meehyun Chungs Erwähnung des Studierendenprotests, jede Bestätigung
vorhandener Empathie und Bereitschaft junger Menschen zum Engagement – etwa
für vegane Ernährung, gegen zu viel Flugverkehr, Googleisierung und
Bolognareglement.
Ein Freund habe ihm vor kurzem seine Verwunderung darüber zum Ausdruck
gebracht, dass die Flutkatastrophe von New Orleans als „Warnschuss“ bislang
unverstanden geblieben sei. Hier zeigte sich, vielleicht zum ersten Mal in dieser
Deutlichkeit, die „Große Deformation“, für die unsere Gesellschaften so anfällig
sind. Dieser Großen Deformation begegnen wir aktuell auch politisch im Mittleren
und Nahen Osten. Resignation hilft jedoch nicht, wir brauchen stattdessen einen
selbstreflexiven Realismus, um solidarisch Mensch zu werden.
Die anschließende Diskussion unter den ca. 30 Teilnehmenden stieß sich
mehrfach an der Rede vom „Hebel“, die den Kontext der Transformation zu
geradlinig beschreibt. Die TeilnehmerInnen wünschten sich mehr von der
Konkretisierung, wie sie sich im Studierendenprotest in Südkorea zeigt. Einen
konkreten Umsetzungsvorschlag gab es zwar mit der von mehreren Seiten
eingebrachten Anregung, eine gesetzliche Regelung des Kriegssteuerboykotts
herbeizuführen, die den Boden für diese Idee dann weiterhin bereiten werde, doch
wurde die zu starke Konzentration auf dieses Thema als Engführung empfunden.
Die Qualität der Runde wurde gelobt, eine Teilnehmerin brachte es so zum
Ausdruck: Sie habe eine halbe Stunde zuvor noch nichts von ihrer Teilnahme an
der Veranstaltung geahnt, aber „die Füße sind schlauer als der Kopf“. Was sie hier
angetroffen habe, sei das zu allen Zeiten, aber heute mehr denn je dringend
notwendige klassische Sich Sammeln von Menschen, die sich in Sorge, aber mit
sicherer Hoffnung gemeinsam an die Veränderung der Verhältnisse machen.
Insgesamt war das Treffen der ÖV 2014-ReferentInnen nach einem Jahr, mit dem
ein Arbeitsauftrag des AK „Umsetzung der Mainzer Botschaft“ eingelöst wurde,
eine konzentrierte und inspirierende Veranstaltung, und mit Sicherheit eine weitere
intensive „Arbeitsstation“ auf dem Pilgerweg von Busan.
Pforzheim, 24.06.2015
Christof Grosse

Friedensoase im Getümmel des Kirchentages

Rückblick auf 3 Tage Zentrum Frieden

Als Kirchentagspräsident Andreas Barner im Frühjahr das Programm des Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Stuttgart vorstellte, betonte er: Dieser Kirchentag ist ein Friedenskirchentag und begründete, „wir steuern zu auf einen Kirchentag in Zeiten, die so brutal, so kriegerisch sind, wie schon lange nicht mehr.”

Jahr zuvor allerdings war ein Zentrum Frieden bei der Planung des Kirchentages abgelehnt worden. Die Aktionsgemeinschaft Dienst für Frieden (AGDF), Dachverband von über 30 Friedensgruppen, denen eine Zusammenarbeit mit Kirchen und kirchlichen Einrichtungen wichtig ist, ergriff daher die Initiative für ein eigenständiges Friedenszentrum zum Stuttgarter Kirchentag.

Unterstützung, auch finanzielle, kam von der badischen und württembergischen Landeskirche und der Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und die Friedenskirchengemeinde in Stuttgart öffnete ihre Gemeinderäume für die Idee des Friedenszentrums. Mit der AGDF beteiligte sich 8 weitere Organisationen an der Vorbereitung. Wichtig war auch Unterstützung von Ohne Rüstung Leben und des Friedenspfarramtes der Evangelischen Landeskirche in Württemberg als engagierte Friedensorganisationen vor Ort. Jan Stehn konnte als Projektmanager gewonnen werden für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit.

So kam es zu einer in diesem Umfang fast einzigartigen Zusammenarbeit von annähernd 40 Friedensgruppen, die über 60 Veranstaltungen und Ausstellungen für Anfang Juni in Stuttgart auf die Beine brachten. Die Räumlichkeiten lagen etwas abseits der Ströme der Kirchentagsbesucher*innen und leider lehnte die Kirchentagsleitung konsequent ab, auf das Zentrum Frieden aufmerksam zu machen – nicht mal ein Link war auf der DEKT-Webseite zu finden. Um so schöner, dass ca. 1 500 Menschen den Weg zu den vielfältigen und inhaltlich anspruchsvollen Angeboten des Zentrum Friedens fanden.

Das Themenspektrum umfasste Friedensbeiträge von Religionen (Markus Weingardt), Drohneneinsätze, die seitens der USA von Stuttgart aus gesteuert werden (Wolfgang Sternstein …), Waffenhandel (Paul Russmann, ORL, …), Atomwaffen und der Russland – Ukraine – Nato Konflikt (Andreas Zumach …). Ein Highlight war die Veranstaltung zur Frage nach Möglichkeiten der Kriegssteuerverweigerung (Karen Hinrichs, Oberkirchenrätin, …). Diskutiert wurde, wie Pazifismus zum kirchlichen Auftrag wird (Renke Brahms, Friedensbeauftragter der EKD, …).

Gut besucht waren die Veranstaltungen zur interreligiösen Zusammenarbeit, die sich in einem gemeinsamen Friedensgebet von 8 Weltreligionen ausdrückte. Der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza von der Stiftung Weltethos referierte über islamische Friedensphilosophie. Mit morgendlichen Bibelarbeiten (Bischöfin i.R. Wartenberg-Potter, …) und abendlichen Gottesdienst (Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D, …) wurden spirituelle – theologische Akzente gesetzt.

Zulauf hatten auch die Veranstaltungen, in denen Teilnehmer*innen Praktisches lernen konnten: Gewaltfreie Kommunikation, Zivilcourage-Training, eigene Kraftquellen finden, jesuanische Streitkunst für Gerechtigkeit …

Was fehlte

Allerdings ist auch festzuhalten, dass einige wichtige Themen zu kurz kamen: Es gab keine Veranstaltung zu den Krisen und Kriegen in den arabischen und afrikanischen Ländern, und nur eine Veranstaltung zur Situation von Flüchtlingen und die einzige Veranstaltung, die das Thema ‚Frauen für Frieden‘ am Beispiel Liberia aufgriff, fiel wegen fehlender Teilnehmer*innen aus. Ein Fingerzeig für Nachholbedarf in der Friedensbewegung.

Den Besucher*innen beim Zentrum Frieden gefiel vor allem die angenehme Atmosphäre, schattige Plätze im vorsommerlich heißen Stuttgart zum Plauschen und Kaffee trinken. Intensive, anspruchsvolle und persönliche Diskussionen bei den Veranstaltungen. Improvisation statt Perfektionismus. Das Zentrum Frieden hob sich mit dem Charme des ‚small is beautiful‘ vom Getümmel der Großveranstaltungen des Kirchentages ab.

Das klingt selbstgenügsam, aber am Samstag zum Abschluss des Kirchentages stellten sich      1 500 Menschen vom Zentrum Frieden ausgehend zu einer Menschenkette quer durch die Stuttgarter Innenstadt, um unter dem Motto ‚Krieg beginnt in Stuttgart – AFRICOM und EUCOM schließen!‘ gegen menschenrechtswidrige Drohnentodeseinsätze zu protestieren. Übrigens auch dabei der Friedensbeauftragte der EKD Renke Brahms. Und am Abend versammelten sich eben so viele Menschen zu der pazifistisch ausgerichteten Konzert-Lesung von Margot Käßmann und Konstantin Wecker.

Zugegeben, um Kirche auf einen konsequent pazifistischen Kurs zu bringen (ein Weg, den z.B. die badische Landeskirche seit zwei Jahren beschreitet), eine Kirche, die sich nicht mehr die Hintertür von Militäreinsätzen als ‚ultima ratio‘ offenhält, braucht es von den 100 000 Kirchentags­besucher*innen mehr Friedensengagement.

Die badische Oberkirchenrätin Karen Hinrichs nannte es einen „Skandal”, dass es beim offiziellen Programm des Kirchentages unter den Themenzent­ren kein Zentrum Frieden gab. Eine Kritik, die von vielen Seiten an den DEKT heran getragen wurde – und die hoffentlich in den Planungen für den Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg ihren Niederschlag finden wird. Im Herbst werden der EKD-Friedensbeauftragten Renke Brahms, die EAK, die AGDF und das DEKT-Präsidium zum Gespräch zusammen kommen …

Jan Stehn

Menschenrechte enden nicht an Grenzen

Europa darf nicht wegschauen, wenn Flüchtlinge an seinen Außengrenzen ertrinken

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

als ich im Februar 2015 die Petition „Europa darf nicht wegschauen“ auf den Weg brachte, hätte ich niemals erwartet, eine solch großartige Unterstützung zu finden. Nachdem die ersten 2000 Unterschriften eingegangen waren, nahm die Petition dank der Hilfe und Kompetenz des Campact Teams um Susanne Jacoby und Katharina Nocun Fahrt auf. Innerhalb kürzester Zeit war die 100.000-Unterschriften-Marke überschritten und inzwischen haben über 176.000 Menschen mit ihrer Unterschrift ein Zeichen der Menschlichkeit und des Mitgefühls gesetzt. Dafür möchte ich allen herzlichst danken und nicht zuletzt den großzügigen Spender/innen, die unter anderem die Campact-Aktionen auf dem Kirchentag in Stuttgart vom 3.-7.6.2015 und im Rahmen der Einweihung des Innenministeriums in Berlin am 9.6.2015 ermöglicht haben.

Die Petition und die gesammelten Unterschriften wurden auf dem Kirchentag an Entwicklungsminister Müller und Innenminister de Maizière übergeben. Außerdem wurde auf dem Kirchentag eine Resolution für Seenotrettung auf dem Podium eingebracht und von den Teilnehmern der Veranstaltung verabschiedet. Das ist ein großartiger Erfolg. Dank Eurer Hilfe wurde ein starkes, sichtbares Zeichen für einen Politikwechsel in der Flüchtlingspolitik gesetzt.

Hier könnt Ihr ein Video von den Aktionen anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=iCj09ozLcE4

Berichte zu allen Aktionen gibt es auch im Campact-Blog:
http://blog.campact.de/kampagnen/fluechtlingspolitik/

Bilder von den Aktionen waren unter anderem in der Tagesschau und in zahlreichen Zeitungsartikeln zum Thema zu sehen, wie etwa im Handelsblatt:
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kritik-an-fluechtlingspolitik-aktivisten-demonstrieren-vor-bundeskanzleramt/11672448.html

Weitere Aktionen sind erst einmal nicht geplant. Aber auf EU-Ebene geht die Diskussion weiter. Die Bundesregierung setzt sich inzwischen für eine verstärkte Seenotrettung ein und schickt Schiffe ins Mittelmeer, aber Europa schottet sich weiter ab. Wir alle sollten die Entwicklung deshalb im Auge behalten und schauen, wo es wieder Sinn macht, mit Petitionen und Aktionen Druck zu erzeugen. Für mich ist klar: Diese Kampagne wäre ohne Euch und  Euren Einsatz nie so groß geworden. Danke für Euer Mitgefühl.

Anne Schulze Everding

Friedensbotschaft von Thomas Bühler

Thomas Bühler hat mit Transparenten an der Friedenskirche unser Zentrum Frieden schon von weitem sichtbar gemacht:

2015-06-05_Simon07

 

Wenn Terror zum Himmel schreit,
kannst du nicht das Unrecht wenden.
Schau: was trieb den Hass so weit,
konnte manche so verblenden?
fühl’ gut hin, verletze nicht,
sonst wird’s noch mehr Hass, der spricht.

 

Frieden an der FriedenskircheAuf den Schrei zum Himmel kam
diese Antwort: „Feindesliebe!“
Kaum bemerkt, doch hochwirksam:
Sie ist Sand im Kriegsgetriebe.
Liebe ngt an mit Hingeh’n,
Zuhör’n, Fragen und Versteh’n.

Argumente, die Pazifisten zum Schweigen bringen sollen

Was gesagt werden kann
– auf Argumente, die Pazifisten zum Schweigen bringen sollen

Zur Diskussion gestellt –

Aus dem Workshop „Christliche Friedenstheologie“ im Zentrum Frieden, Stuttgart, am Donnerstag, den 4. Juni 2015

Du sollst nicht töten!“ Aber du sollst auch nicht töten lassen. (Wolfgang Huber)

Ja gewiss, aber warum dann töten?

Und, wenn du das wirklich meinst: Warum willst du dann, dass andere – nämlich Soldaten – töten und sich töten lassen?

Wir leben nun mal in einer unerlösten Welt.

Und warum soll sie noch unerlöster werden?

Feindesliebe ist nur etwas für Heilige!

Dann sei doch heilig! (Mt 5,48) Was hindert dich daran?

Wir müssen aber doch Verantwortung für bedrohte Menschen übernehmen!

Ja gewiss, aber warum selber töten? Denn so werden wir selbst zur Bedrohung für andere Menschen. Und muss dann nicht jemand gegen uns intervenieren?

Wir können doch nicht einfach nur zusehen?

Brauchst du auch nicht; wie viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten bist du bereit bei dir aufzunehmen?

Nichthandeln macht auch schuldig.

Aber warum willst du ausgerechnet durchs Töten schuldig werden, das geht auch anders.

Jesus hat doch auch Gewalt angewandt, z. B. bei der Tempelaustreibung!

Und hat damit den Tieren das Leben gerettet – sie hätten ja geopfert werden sollen… (Walter Wink)

Jesus hat doch die Jünger beauftragt ein Schwert zu kaufen (Lk 22,36)!

Und als sie gleich zwei gekauft hatten – so erzählt Lukas – , sah er, dass sie sein Bildwort nicht verstanden hatten. Er sagte „es ist genug“ (Lk 22,38) und zeigte, was er gemeinte hatte daran, dass er bei der Gefangennahme einen heilte, der durch eines dieser Schwerter verletzt worden war (Lk 22,51). (Jean Lasserre)

Jesus selbst ordnet sogar Gewalt an: „Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“ (Mk 9,42)

Und warum hörst du dann nicht auf, mich dazu zu verführen, vom Weg Jesu abzuweichen und den Weg von Armeen zu befürworten? Oder kannst du dir Jesus in Uniform mit einem Gewehr in der Hand oder am Abschussknopf von Atomraketen vorstellen?

Brüggen, den 8. Juni 2015

Pfarrer Dr. Matthias-W. Engelke

»Krieg darf um Gottes Willen nicht sein«

Bettina Röder 07.06.2015
»Weiter, weiter«, rufen die Menschen. Glocken läuten. Dann bricht Jubel aus. Sie ist nämlich zustande gekommen, die zwei Kilometer lange Menschenkette gegen zwei US-amerikanische Einsatzzentralen, die von Stuttgart aus ihre Drohneneinsätze im Irak, in Libyen und in anderen Ländern Afrikas steuern. Dafür haben sich viele Menschen während des Kirchentags engagiert. »Nie wieder darf von Deutschland ein Krieg ausgehen«, steht auf Plakaten. Und: »Niemand hat Euch fürs Kriegführen gewählt«
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Die Menschenkette startete am Zentrum Frieden

Diesen Satz hat der 59-jährige Grafiker Uli Stübler auf sein Plakat geschrieben. Was in Stuttgart passiere, sei eine Schade, sagt er. Auch der 17-jährige Schüler Laszlo Sandig mit Schirmmütze und schwarzem Hemd hat sich eingereiht. »Toll, dass so viele Menschen mitmachen und dass ich ein kleiner Teil dieser Kette sein darf«, freut er sich. Dann wird er nachdenklich. »Wir leben doch in einer Gesellschaft, in der man mit Krieg wenig in Berührung kommt.« Dafür seien andere Menschen an anderen Orten dieser Welt umso heftiger betroffen. Und schon deshalb sei es wichtig, dass es auf diesem Kirchentag ein Zentrum Frieden gebe.

Das allerdings wird zum ersten Mal seit langem nicht mehr vom Kirchentag verantwortet. Denn die Kirchentagsleitung hatte es abgelehnt, ein eigenes Zentrum in ihr Programm aufzunehmen. Das Thema Frieden sei auf dem Stuttgarter Treffen ausreichend vertreten, hieß es. Zehn deutsche Friedensorganisationen von Ohne Rüstung leben bis hin zum Versöhnungsbund sahen das anders. Sie organisierten ein eigenes Friedenszentrum, an dem sich 37 Friedensorganisationen mit rund sechzig Veranstaltungen und täglich etwa fünfhundert Besuchern beteiligten. Eine erstaunlich hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass das Zentrum im offiziellen Programm des Kirchentages gar nicht auftauchte. Die Friedensgemeinde der Stadt hatte den Organisatoren ihre Räume zur Verfügung gestellt. An langen Holztischen unter Kastanienbäumen saßen während aller Tage Besucher des Zentrums, oft in intensive Gespräche vertieft; andere beteiligten sich an Workshops und Diskussionen.
Und alles war hier ein wenig anders als auf dem offiziellen Kirchentag: Es gab kein Papphocker, auf denen die Besucher in überfüllten Sälen den Promis zuhörten und dann auf Zettel notierte Fragen einreichen durften. Nein, hier fand ein Dialog auf Augenhöhe statt – kontrovers, mit pazifistischen wie pro-militärischen Positionen, etwa bei der Diskussion über die Einführung einer Friedenssteuer oder den Einsatz junger Freiwilliger in den Krisengebieten Israels, Palästinas und der Ukraine.
Erinnert wurde auch an den waffenlosen Einsatz der DDR-Bausoldaten. »Wichtig war uns die dialogische Offenheit, auch schwierige Punkt auszuhalten, sich nicht zu zensieren in beide Richtungen«, sagt rückblickend Jan Stehn, der 57-jährige gelernte Altenpfleger aus Caputh bei Potsdam, der hier für Organisatorisches zuständig war. 20.000 Euro hatten die Veranstalter dafür zusammengelegt, dass das Zentrum entstehen konnte. Jan Stehn erinnert sich: »Bis zuletzt haben wir gezittert, ob überhaupt jemand kommt.« Und: »Der Kirchentag ist ein so riesiger Apparat. Aber für uns war kein Platz vorgesehen.« Den besetzten die Friedensorganisationen aus der Not heraus einfach selbst. Ihre Botschaft war unbequem, aber nicht zu überhören: »Krieg darf um Gottes Willen nicht sein.«
Bettina Röder leitet das Berliner Büro von Publik-Forum. Dass das »Zentrum Frieden« in Stuttgart regen Zulauf hatte, überraschte und freute sie: »Das war nicht selbstverständlich, denn keine der Veranstaltungen dort stand im offiziellen Kirchentagsprogramm.«

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/krieg-darf-um-gottes-willen-nicht-sein des Internetauftritts von Publik-Forum

Menschenkette: vom Zentrum Frieden bis zum Mahnmal gegen Faschismus

Großartig!!

Hier erste Fotos vom Beginn der Friedenskette an der Friedenskirchengemeinde Stuttgart – großes Danke Schön allen, die diese Aktion gegen die menschenrechtsverletzenden Drohneneinsätze möglich gemacht haben!2015-06-06_MJS117 2015-06-06_MJS119 2015-06-06_MJS120 2015-06-06_MJS121 2015-06-06_MJS115

Mit einer Menschenkette durch die Stuttgarter Innenstadt haben Friedensaktivisten auf dem evangelischen Kirchentag den Abzug von Atomwaffen aus Europa gefordert. Zugleich verlangten sie bei der Aktion am Samstag die Schließung zweier US-amerikanischer Kommandozentralen in der Stadt. Von dort würden unter anderem Angriffe in Libyen, Serbien und dem Irak befehligt.

An der Aktion nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 1.500 Menschen teil, darunter auch der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, und die Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf unter 1.000.

Mit einem Trommelwirbel zu der symbolischen Uhrzeit um fünf Minuten vor zwölf sei der Kettenschluss „größtenteils gelungen“, sagte ein Sprecher. Die Veranstalter seien mit der Teilnehmerzahl zufrieden, auch wenn die Kirchentagsleitung sich geweigert habe, offiziell auf die Aktion hinzuweisen. Die Teilnehmer – darunter auch viele junge Menschen – hätten Transparente in die Luft gehalten und mit Kreide Friedenszeichen auf den Boden gemalt. Die leicht lückenhafte Kette reichte demnach von der Stuttgarter Friedenskirche über Schauspielhaus und Charlottenplatz bis zum Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Stauffenbergplatz.

Toller Start

Wir hatten gestern einen wunderbaren Start mit dem Zentrum Frieden 2015 – bis auf einige Ausnahmen, toll besuchte Veranstaltungen. Bei der Diskussion zur Friedensteuer fanden kaum alle Besucher*innen Platz und folgten trotz der dicken Luft konzentriert der spannenden Diskussion über
Zahlen für den Krieg? Gewissensfreiheit contra Steuerpflicht
Keine Kriegsfinanzierung mit meinen Steuergeldern
http://www.netzwerk-friedenssteuer.de/

Eine Freude ist der Schatten, den Bäume und Sonnensegel hier spenden – und dazu das leckere Essensangebot der Kirchengemeinde und die Ägyptische Spezialitäten des Straßenkinder-Projekts in Alexandria.

Bis gegen Mitternacht entspannten die Gäste entweder bei den Anti-Kriegsliedern von Theodor Ziegler oder setzten sich im Film ‚Agent Orange‘ mit den schrecklichen Folgen des Vietnamkrieges auseinander. Die vietnamnesischen Kriegsveteranen sagen zum Abschluss: lasst uns nie wieder solche Kriege beginnen …
Heute geht es weiter ..