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Iphigenie: wie eine Frau Männergewalt überwindet

Frauen werden, wenn überhaupt, in der Kriegsberichterstattung meist als Opfer wahrgenommen: Hunger, Vergewaltigung, Vertreibung, Tod – Frauen und Kinder sind die zivilen Opfer männlichen Kriegswahns. Aber Frauen sind nicht nur Opfer – sie können auch eine wichtige Kraft sein, um Krieg zu beenden und Frieden zu entwickeln. In der Resolution 1325 hat der Uno-Sicherheitsrat zum Beginn des 21. Jahrhunderts erklärt, dass Frauen fortan in Krisen und Konflikten als Friedensmanagerinnen gefragt und zu fördern sind.

Das hat übrigens schon Goethe vor mehr als 230 Jahren begriffen und in ‚Iphigenie auf Tauris‚ rückgreifend auf griechische Mythologie erzählt:

Fangen wir mit der kriegerischen Vorgeschichte an: Die schöne griechische Helena war den Reizen des nicht weniger attraktiven Paris erlegen und war diesem ihrem griechischen Ehemann untreu werdend nach Troja gefolgt. Anlass für die gekränkten Griechen dieser machtvollen Stadt, die obendrein den wichtigen Handels- und Seeweg am Hellespont kontrollierte, den Krieg zu erklären. Nicht alle griechischen Helden wollten allerdings der Kriegsbegeisterung folgen: Odysseus etwa verstellte sich als schwachsinnig als die Kriegswerber kamen, Achill verkleidet sich als junges Mädchen – nützte aber alles nichts.(vielleicht hätten ihnen ein Besuch unserer Veranstaltung “Ich kann nicht mehr!”
Kriegsdienstverweigerung von Soldaten weiter geholfen).

Trotzdem: der Kriegswind ist den Griechen nicht hold, die Schiffe dümpeln in einer Flaute. Da kommt die Idee auf, der griechische Kriegsherr Agamemnon müsse für das Kriegsglück seine Tochter Iphigenie opfern – gegen diese brutale patriachale Kultur stellt sich die Göttin Artemis, die Schutzgöttin von Frauen und Kindern, eine Göttin, die mit Nymphen durch die Wälder zieht und Männern aus dem Weg geht. Sie rettet Iphigenie und ermöglicht ihr die Flucht in das ferne Tauris auf der Krim, und hier beginnt Goethe mit seiner Geschichte.

Iphighenie gelingt, als Fremde und von außen Kommende, auf Tauris einen tiefgreifenden menschlichen und kulturellen Wandel in Ganz zu setzen. Die Taurer lösen sich von ihrer barbarischen Sitte alle Fremden zu erschlagen und entdecken den Wert der Gastfreundschaft. In Iphigenie Brust schlagen wie bei vielen Flüchtlingen zwei Herzen: Dankbarkeit für die Rettung und die Anerkennung, die sie als Artemispriesterin auf Tauris erfährt, und Sehnsucht nach der alten Heimat.

In ihrer Heimat allerdings hat der Krieg zu einer Kette von familiären Gewalttaten geführt. Agamemnons Frau, entsetzt von der vermuteten Opferung ihrer Tochter für den Krieg, hat sich während der zehn Kriegsjahre anderweitig verliebt und ermordet ihren Mann als dieser dann doch wieder heimkehrt. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, als ihr Sohn Orest, um seinen Vater zu rächen, dann wiederum sie tötet. Traumatisiert peinigen Orest schreckliche Gewissensbisse und Schuldgefühle und treiben ihn durch Welt und jegliche Lebensfreude ist ihm abhanden gekommen.

Durch eine falsch verstandene Prophezeihungen kommen Orest und seine Gefährten nach Tauris, wo Orest zu seiner großen Überraschung seine für tot geglaubte Schwester Iphigenie trifft. Sowohl der Taurische König als auch Orest und sein Freund planen Böses: Der eine will im Rückgriff auf die alte Tradition die griechischen Fremden opfern, während Orest glaubt, sein Seelenheil wiederzuerlangen, wenn er die dortige Artemis-Statue stiehlt und zusammen mit seiner Schwester flieht.

Iphigenie unternimmt in dieser Situation einen unglaublich mutigen Schritt, sie offenbart mit allem Risiko dem König die Wahrheit über die Herkunft und Pläne ihres Bruders und setzt ganz auf die Kraft der Wahrhaftigkeit und des Dialoges. Tatsächlich gelingt ihr die Situation aufzuklären und die Männer, die immer wieder kurz davor sind, die Angelegenheit mit dem Schwert klären zu wollen, für eine Win-Win-Lösung zu gewinnen. So schafft Iphigenie die Spirale und den Fluch der Gewalt, die ihre Familie über viele Generationen verfolgte und traumatisierte, zu durchbrechen.

Übrigens: Auch in Liberia waren die Frauen der entscheidene Machtfaktor zum Frieden, Kommt zu unserer Filmvorführung: Zur Hölle mit dem Teufel – Frauen für ein freies Liberia Freitag abend um 19:30 Uhr im Zentrum Frieden.